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 Pflegevisite

Bei einer Visite stellt man sich gewöhnlich den Besuch des Arztes am Krankenbett vor. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Arztvisite und der Pflegevisite sind die zu erfüllenden  Aufgaben.
In der Arztvisite geht es um die Diagnose, um Vitalparameter wie Blutwerte, Blutdruck oder Puls. Und es geht um die Therapie, die dem Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung  helfen soll.

Die Pflegevisite dient durch regelmäßige Besuche bei dem Klienten dazu, Probleme und Ressourcen im Bereich der Pflege zu erkennen, daraus ergebende Maßnahmen und Ziele für den Aufenthalt festzulegen und diese immer wieder zu überprüfen. Die Pflegevisite kann sowohl im stationären wie ambulanten Bereich zu einer autonomen und auch effizienten Pflege führen.
Kommt ein Patient in ein Krankenhaus, hat er oft das Gefühl seinen gewohnten Lebensrhythmus aufgeben zu müssen. Plötzlich spielt es keine Rolle mehr, daß er gern etwas länger schläft als 6.30 Uhr und auch die Körperpflege hat am Morgen zu erfolgen, obwohl er sie am Abend bevorzugt. Der Patient gibt seine Autonomie ab, die Pflege plant und organisiert ihre Arbeit häufig im Dienstzimmer ohne mit dem Patienten über beschlossene Maßnahmen zu sprechen.
Das Konzept der Pflegevisite setzt auf Kommunikation und möchte dem Patienten seine Eigenverantwortung nicht absprechen. Allen am Pflegeprozess Beteiligten, sollte jedoch klar sein, das ein Patient Laie bleibt und somit auf präzise Information und Aufklärung angewiesen ist.
Pflegende schätzen die Pflegesituation der Patienten ein, wichtig ist jedoch, daß die Ergebnisse und Ziele der Pflegeplanung, mit dem Patienten gemeinsam besprochen werden.
Die Pflegevisite sollte nur mit Patienten durchgeführt werden, die nach entsprechender Information über das Vorgehen, dazu bereit sind. Weiterhin ist zu betonen, das nur Personen aus der direkten Bezugspflege (primary nurse system) an der Pflegevisite teilnehmen sollen. Therapeuten und Angehörige nehmen nur in besonderen Fällen oder auf Wunsch des Patienten teil. Stations- und Pflegedienstleitung sollten nicht teilnehmen, da sie hemmend wirken und sofern sie nicht an der direkten Pflege beteiligt sind, keine definierte Rolle in diesem Konzept einnehmen.
In der zeitlichen Abfolge sollte man sich nicht zu sehr festlegen. Die Pflegevisite wird durchgeführt wenn alle Personen dazu bereit sind, so läßt es sich vermeiden, das der Patient nur mitmacht um die Routine der Schwestern nicht zu behindern.
Während der Pflegevisite ist darauf zu achten, mit dem Patienten eine gemeinsame Kommunikationsbasis zu schaffen. Dies beginnt bei dem gemeinsamen sitzen am Tisch und wenn das nicht möglich ist, sollte es selbstverständlich sein, sich an das Kopfende des Bettes zu setzen.

Die Pflegevisite soll zu einer Überprüfung der mit dem Patienten erarbeiteten Pflegeplanung dienen. Maßnahmen und Ziele müssen gemeinsam kontrolliert und korrigiert werden. Durch die Pflegeplanung soll es allen Beteiligten möglich sein, jederzeit die notwendigen Informationen zur Durchführung der Pflegemaßnahmen nachzulesen. Sicherheit und Zufriedenheit können sich somit auf der Seite der Patienten, als auch auf der, des Personals einstellen. Das Verantwortungsbewußtsein steigt auf beiden Ebenen.
Wird die Pflegevisite als Übergabevisite durchgeführt, lernt der Patient “seine Bezugsschwester” kennen, beide Seiten haben Zeit für ein Gespräch und die Pflegedokumentation wird regelmäßig überprüft.
Durch das Bezugspflegesystem lernt nicht jede Pflegekraft alle Patienten kennen. Jedoch ist es durch eine gute Pflegedokumentation, die zusätzlich ein kurzen prägnanten Situationsüberblick gibt, möglich  individuelle Pflege zu gewährleisten.

Literaturhinweis:
“Pflegevisite und Partizipation” von Heering/ Heering/ Bode/ Müller, erschienen im Ullstein Mosby Verlag