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NUR ZU ZWEIT

Wie man als Bewohner eines Altenheims die dortigen Umstände erlebt, soll uns mit diesem Gedicht verdeutlicht werden.
Der Autor möchte anonym bleiben.

Früh am Morgen,hoppla hopp,
kommt die Schwester im Galopp
und setzt mich erstmal auf den Topp.
Sie ruft: “Schnell,schnell, jetzt in die Socken,
sie können da ja nicht ewig hocken,
ich habe schließlich wenig Zeit,
denn wir sind nur zu zweit!”

Hoch vom Topp und fix ans Becken.
beim waschen alle Glieder recken,
schnell in den Mund das Gebiss,
auch wenn es das vom Nachbarn ist.
Der Rock, die Bluse, der Schlüpfer,
ich beweg mich wie ein junger Hüpfer.
Das Haar wird heute nicht gekämmt?
Wieso? Ach ich weiß Bescheid:
Sie sind heut nur zu zweit! Keine Zeit!

Ab zum Frühstück, ach wie gut
so ein kalter Kaffee tut.
Sehr gesund so ein flüssig Ei,
vermischt mit Morgenbrei.
Diät steht auf der Marmelade drauf,
ist mir egal, ich krieg sie eh nicht auf.
Hart wie Stein ist die Butter
und bei meinem Körnerfutter
hat auch schon jemand nachgeschaut
und die Rosinen raus geklaut.,
Hätte man die Säge nicht vergessen,
könnte ich wenigstens mein Brötchen essen!

Also schlürf ich meinen Tee, ach nee,
ich glaub es ist Kaffee oder Saft?
Das hat mich jetzt alles geschafft-
ich möchte gerne in mein Bett und ruf die
Schwester, frage nett:
“Ob Sie so freundlich wäre, und...”
Sie ruft: “Ach halten sie den Mund!!
Ich habe keine Zeit-
wir sind heut nur zu zweit!!”

Also nix mit Bett - was kann ich machen?
Jetzt weiß ich - ich kann basteln, ein paar schöne Sachen!
Das ist eine gute Idee.
Ich steh auf und geh
in den Bereich dafür
und steh vor geschlossener Tür.
Auf dem Schild da kann ich lesen:
“Wir basteln, wir malen, sind allzeit bereit-
aber nicht heute, denn heute sind wir nur zu zweit - Keine Zeit tut uns leid”

Der nette Mann vom Nachbartisch
bot mir an ganz fürsorglich,
mich zu fahren in mein Bett.

Ich find das war furchtbar nett
und nach 15 Runden
hatten wir es dann endlich gefunden.
Für mich hat es sich gelohnt,
weiß ich doch jetzt, wie man hier so wohnt.

Ins Bett und schnell eingepennt,
bis jemand durch mein Zimmer rennt.
Die Schwester ruft:”Nun stehen sie auf,
es gibt Abendessen!”
Ich frag:”Und mein Mittagessen?”
“Ach da hab ich sie leider vergessen.
Tut mir leid,wir waren heute nur zu zweit.”

Der Tag geht zu Ende, ich begab mich ins
Bett.
Da war ich zwar den ganzen Tag schon,
aber hier ist es richtig nett.
Jetzt werde ich etwas ausruhn.
Hab meinen Nachtschrank etwas geordnet,
man muß ja was tun.
Und freu mich schon auf Morgen,
denn es gibt da ja einen Mann,
der hat mir heute schon viel Gutes getan.
Ich werde ihn bitten, mit mir morgen noch
mal zu gehen,
denn so manches Zimmer hab ich ja noch
nicht gesehen!
Hinein in meine schönsten Gedanken,
sehe ich die Nachtschwester wanken.
Sie fragt halb tot vor Müdigkeit:
ob für die Nacht sei alles bereit?
Und torkelt müd aus dem Zimmer.
Kein Wunder, denn es ist wie immer.
Ich ruf:”Ich hätte bitte, bitte noch etwas
zu trinken!”
Versuch es mit winken.
Und das Licht aus,
trüb schauen mich zwei gerötete Augen an,
eine Stimme dringt ohne Klang an mein Ohr:
“Tut mir leid, keine Zeit, vielleicht morgen,
da sind wir zu zweit!!”

So liege ich nun mit meinen Sorgen,
Licht an und allein.
Aber man soll ja nicht undankbar sein.
Es gibt Menschen, die haben nicht mal in
Bett
und eigentlich sind ja alle ganz nett.
Sie haben leider nicht viel Zeit,
denn sie sind immer nur zu zweit.
Ich werde in meinem nächsten Leben
mehr in den Klingelbeutel geben,
damit der Herrgott an mich denkt
und mehr Pflegekräfte schenkt.